Blockmodelle sind auf ihre Grundstruktur vereinfachte Netzwerke durch Zusammenfassung ähnlicher Akteure. Beispiel: Die folgende Tabelle zeigt den Briefverkehr zwischen 6 Akteuren an. Eine 1 steht für „hat schonmal einen Brief abgeschickt“, eine 0 steht für „hat keinen Brief abgeschickt“. Der erste Akteur, Trick (erste Reihe), hat z.B. an jeden anderen einen Brief geschrieben. Der letzte Akteur Micky (letzte Reihe) hat gar niemandem einen Brief zugeschickt.

 

 

Tick

Trick

Track

Donald

Dagobert

Micky

Tick

0

1

1

1

1

1

Trick

1

0

1

1

1

1

Track

1

1

0

1

1

1

Donald

1

1

1

0

0

0

Dagobert

1

1

1

0

0

0

Micky

0

0

0

0

0

0

 

 

Solche Matrizen können schnell sehr unübersichtlich werden. Darum gibt es die Blockmodellanalyse. Sie vereinfacht uns das Ganze. Wie wir sehen, haben sowohl Tick, als auch Trick und Track Briefe an die gleichen Leute abgeschickt. Man sagt, sie sind mit denselben Akteuren Verbunden. Donald und Dagobert haben auch dieselben Personen angeschrieben. Nur Micky hat niemanden, der ähnlich verbunden ist.

 

Die Blockmodellanalyse  identifiziert zunächst über mathematische Verfahren solche Ähnlichkeiten (strukturelle Äquivalenzen):

 

Tick

Trick

Track

Donald

Dagobert

Mickey

Tick

0

1

1

1

1

1

Trick

1

0

1

1

1

1

Track

1

1

0

1

1

1

Donald

1

1

1

0

0

0

Dagobert

1

1

1

0

0

0

Mickes

0

0

0

0

0

0

 

 

Dann verschmilz es alle einander ähnlichen Akteure zu einem einzigen. Aus Tick, Trick und Track wird Akteur A, aus Donald und Dagobert wird Akteur B und Micky wird zu Akteur C:

 

A

A

A

B

B

C

A

0

1

1

1

1

1

A

1

0

1

1

1

1

A

1

1

0

1

1

1

B

1

1

1

0

0

0

B

1

1

1

0

0

0

C

0

0

0

0

0

0

 

 

Anschließend interessiert nicht mehr, ob Tick, Trick oder Track einen Brief schrieben, sondern nur noch, ob aus deren Gruppe A Briefe rausgingen und wenn ja, zu welcher Gruppe. Man betrachtet also nicht mehr Verbindungen von Akteuren, sondern von Gruppen (Positionen/Blöcke). Wenn irgendein Akteur der Gruppe A einen Brief nach B abgeschickt hat, wird dort eine 1 hingesetzt, ansonsten eine 0. Im folgenden Bild sehen wir dann das Ergebnis der Analyse, das Blockmodell:

 

A

B

C

A

1

1

1

B

1

0

0

C

1

0

0

 

 

Gruppe A schrieb Briefe an sich selbst und an B, Gruppe B schrieb Briefe nur an Gruppe A.  Gruppe C schrieb niemandem. Was wir hier sehen, ist eine ganz klare Zentrums-Peripherie-Struktur. Es gibt ein Zentrum A, das auf sich selbst fixiert ist, aber auch Kontakt zu den anderen Gruppen hält. Hingegen halten die anderen Gruppen im Netzwerk, B und C, nur Kontakt zum Zentrum und sind untereinander isoliert.

 

Eine Sache ist noch wichtig. Hier wurde zwischen A und B eine 1, also eine Verbindung beschrieben, weil mindestens einer aus Gruppe A einen Brief zu einem aus Gruppe B geschickt hat. Je nach Situation kann man sich auch für andere Kriterien entscheiden. Z.B. hätte man auch nur dann eine zwischen zwei Gruppen Verbindung anerkennen können, wenn ALLE Akteure in A Briefe nach B geschrieben hätten. Oder aber wenn eine bestimmte Mindestanzahl von Schreiberlingen erreicht wird (Alpha-Dichte-Kriterium). Man kann also milde und strenge Urteile darüber fällen, wann man eine Verbindung setzt und wann nicht.

 

Weiterhin ist stets zu beachten, dass sich die Mitglieder einer Gruppe nicht kennen müssen. So haben sich Donald und Dagobert ja überhaupt keine Briefe geschrieben. Vielleicht kennen sie sich nicht einmal. Sie sind aber auf dieselbe Weise im Brief-Netzwerk eingebettet und das ist entscheidend. Denn Blockmodellanalysen beruhen auf einer soziologischen Grundannahme: dass sich nämlich ähnlich vernetzte Akteure auch ähnlich verhalten. Marktforscher würden in unserem Beispiel also drei verschiedene Verhaltensmuster vermuten, drei verschiedene Zielgruppen.

 

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